1 Yasmo & die Klangkantine - Alles außer…
2 Das Schottische Prinzip - Dear Investor
3 DRAMAS - Die On The Patio
4 Lusterboden - Vespa fahren
5 Low Life Rich Kids - Auf 110
6 Fex & Alligatorman - Die Zeit
7 Zelda Weber - Whim
8 Christian Becker feat. Meena Cryle - Freedom (Radio Edit)
9 Oskar Haag - Surf Song
10 Laurenz Nikolaus - Der Teufel tanzt im Volksgarten
11 Ignaz Tschinön - Kopf in den Wolken
12 Anna Mabo - Pistazien
13 Aliosha Biz - I liasert Kirschen fia di wachsen
14 Martin Philadelphy - Der Lauf der Dinge
15 Picobello - weinen im sommer
16 Kurpark - Favoriten
17 Mary Broadcast - Aura
18 Naked Lunch - Go away
19 Austrofred & Kurt Razelli - Ein Friend ging nach America
20 Skofi - Tequila Kick
21 Belle Fin - Donauinsel
22 Matthias Kempf - in so ana zeit
23 sibylle kefer - positionen
24 Sladek - Bye Bye
„Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert. Die Straßen anderer Städte mit Asphalt.“
(Karl Kraus)
Während diese „Wien.Musik“-Ausgabe entsteht, herrscht in der Stadt Ausnahmestimmung. Es sind die Tage des Eurovisions-Songcontests, kurz ESC, und halb Wien steht Kopf. Zum Teil ist es aber auch eine Inszenierung. Eine mediale Inszenierung der guten Laune, der Wirkungsmacht von Pop und der - bei aller Diversität - demonstrativen Offenheit und menschlichen Verbundenheit unter dem Banner der Kunst und Kultur. Die geborene Wienerin, der autochthone Wiener sieht den vordergründig reinen Sangeswettbewerb dagegen leise, aber doch skeptisch. Und grantelt gerne. Mit oder ohne „Tanzschein“ (ein Cosmo-politischer Gag).
Wenn Sie diese CD in Händen halten, ist die Sache vorbei und hoffentlich alles gut gegangen. Was freilich auffällt bei aller Feierlichkeit: die Selbst-Stilisierung Wiens zur Stadt der Musik, ja sogar zur Welthauptstadt, ist hinterfragenswert. Und vielfach eine Schimäre. Der ESC war eine Ausnahmeerscheinung. Der Nimbus der Stadt, der Touristen anzieht wie ein starker Magnet, fusst auf Klassik, Oper und Operette. Selbst ferne Erinnerungen an Johann Strauss und seine Ära werden im 21. Jahrhundert mit Millionen-Budgets unterfüttert. Bisweilen meint man, in einem Mausoleum der Hochkultur gelandet zu sein.
Dabei ist Wien viel reicher, vielfältiger und gegenwärtiger. Die Pop-Szene glüht förmlich, das neue Wienerlied tönt selbstbewusster denn je, Jazz, Rock, Electronic Music und selbst die Blüten der Avantgarde, Club-Kultur und zeitgenössischen Klassik treiben an allen Ecken und Enden aus. Es wäre eine Chance für die Stadt im internationalen Aufmerksamkeits-Wettbewerb, den realen Status Quo hervorzukehren. Aber haben Sie davon auch nur einen Ton in Radio Wien gehört? Oder in den Mainstream-Medien davon gelesen? Hier ist die Zeit vor dreißig Jahren stehengeblieben. Und die Förderstrukturen abseits der Klassik-Hochburgen werden enger: die Stadt muß sparen.
Wir aber machen unverdrossen weiter mit unserer jährlichen Bestandaufnahme: die „Wien.Musik“-Reihe feiert ihre 16. Ausgabe. Es ist die selbstgewählte Aufgabenstellung eines Indie-Labels: die aktuelle Szene dieser Stadt nach wirklich superben, spannenden, signifikanten Interpretinnen und Interpreten, Songs und Neuerscheinungen zu durchkämmen. Das Ergebnis des Jahrgangs 2026 liegt vor. Wir danken für die Aufmerksamkeit! Und allen Künstler/inne/n für die musikalischen Pretiosen.
Vielleicht hören wir dann auch bald Lusterboden, Das Schottische Prinzip, Kempf oder Ignaz Tschinön im Großstadt-Radio? Oder sehen Sybille Kefer, Martin Philadelphy, Sladek oder Mary Broadcast beim Popfest Wien? Es wäre hoch an der Zeit, dass die viel beschworene Offenheit der institutionellen Beobachter, Gatekeeper und Durchlauferhitzer in Wien für alle gilt. Und eine Szene in ihrer Gesamtheit und Vielfalt wahrgenommen wird. Diese CD (die es freilich auch als Streaming-Playlist gibt) kann, darf und soll ein Anstoß sein.
Einmal mehr: Tusch! WIEN MUSIK 2026. Viel Vergnügen, man hört einander wieder.