Es gibt nur wenige Künstlerinnen in diesem Land, die es in punkto Beständigkeit (die oft an Sturheit grenzen mag), musikalische Bandbreite und Wandlungsfähigkeit sowie Pop-Appeal mit Mary Broadcast aufnehmen können. Sie verfolgt ihre Vision seit zwanzig (!) Jahren: dass inhaltlicher Tiefgang und facettenreiches Songwriting bestens miteinander können. Die Passion, die Welt mit selbst geschaffener Musik zu versorgen, ist nie erloschen, ebenso nicht der Mut, sich immer wieder neu zu erfinden und radikal anders zu formatieren. Dabei wurde und wird (fast) alles versucht und kaum etwas ausgelassen - sei es eine Teilnahme an der Vorausscheidung zum European Song Contest, die größte Bühne im kleinsten Dorf, sei es das mühelose Kreieren von eigenen Genre-Annäherungen (von Blues zu Soul zu Funk zu Pop...) Die studierte Musikschaffende und Pädagogin schreibt ungeniert, ja stolz ihre eigene Geschichte. Jetzt fehlt nur noch der eine zwingende Hit, der sie nach oben katapultiert.
Es ist ein positiver Zug der Zeit, dass Frauen bewusst, verstärkt und ganz selbstverständlich in den Mittelpunkt rücken. Wenn nun Kriterien wie Willens- und Durchhaltekraft, Nachhaltigkeit, Eigenständigkeit und künstlerische Stringenz zusätzlich zum Tragen kommen - und bei Mary Broadcast ist das ohne den geringsten Zweifel der Fall -, dann können wir hier eine exemplarische weibliche Vertreterin der österreichischen Szene feiern. Zwanzig Jahre Musikbusiness! Bandgründung 2005 (Mary Broadcast), erste Veröffentlichung 2006, bislang neun (!) Alben, unzählige Live-Gastspiele von Leipzig bis Salzburg, von Handenberg in Oberösterreich (ihrem Herkunftsort) bis Helsinki.
Hier haben wir eine Sängerin und Gitarristin, aber auch Komponistin, Bandleaderin, Bookerin, Produzentin, Managerin und Mastermind ihres eigenen Projekts. Ein klassisches Role Model also! Seit Beginn von Mary Broadcast ist die Namensgeberin und Frontfrau der Band als feminines und feministisches Fanal selbständig und selbstbewusst im Musikbusiness unterwegs, verfolgt eigenständig und konsequent ihren Traum, bislang ohne große PartnerInnen im Hintergrund. Sie setzt sich beispielhaft für die Sichtbarkeit von MusikerInnen ein, indem sie z.B. regelmäßig spezielle „HER"-Veranstaltungen konzipiert und realisiert. Mary steht in einer Reihe mit MusikerInnen, die nicht typische Pop-Zirkus-Klischees repräsentieren, sondern eigenmächtig Nischen abseits des Mainstreams ausloten und absichtlich auch eigenwillige, sprich: denkwürdige Karriereschritte setzen. Mit dem Jubiläums-Album "Annivers" wird diese Frau anno 2026 in den Mittelpunkt von Konzerten, Medienberichterstattung und Fan- Aufmerksamkeit rücken.