Dieser Sound ist neu, zumindest für Mary Broadcast. Dieser Song ist eine Überraschung. Diese Geschichte muss erzählt werden.
"2017 bin ich mit meinem Bruder und dem senegalesischen, in Wien lebenden Musiker Karim Thiam zu einer mehrwöchigen Reise in den Senegal & Guinea-Bissau aufgebrochen“, berichtet die Künstlerin. "Wir haben viel Zeit in der sehr lebendigen Hauptstadt Dakar verbracht, aber auch das Land kennengelernt. Karim Thiam hat uns durch seine Herkunft Afrika sehr nahegebracht. Ich habe die Menschen, die Lebensweise, die Musik, die Nächte, den Staub, die Hitze, die Sonne, das Essen intensiv in mich aufgenommen. Als zusätzliches Geschenk habe ich mich dort verliebt und daraus ist eine mehrwöchige Liebesbeziehung entstanden. Ich sprach kein Wort Französisch, er kein Wort Englisch. Das hat uns nicht daran gehindert, an diese Liebe zu glauben. Die Distanz und die Hindernisse der Behörden haben dieser Beziehung dann sehr schnell ein Ende bereitet. Eine Geschichte, wie sie heute leider sehr oft geschrieben wird. Einige Umwege haben uns 2024 nochmals in Paris zusammengeführt und das war's dann auch mit dieser Liaison.
Die Afrika-Reise 2017 steckt mit allen Emotionen, Gerüchen, Bildern, Eindrücken noch immer tief in mir drinnen, die Erlebnisse dieser Reise haben sich so richtig eingebrannt. Erst nach dem Wiedersehen in Paris konnte ich all das in ein Lied gießen, ich freue mich sehr, dass „Afrika", wie ich meine, alle Gefühle konserviert und aufbewahrt. Beim Einsingen des Chores haben mich wieder zwei in Wien lebende, aber in Dakar geborene Musiker unterstützt. Es sind aber auch einige bekannte Wiener Stimmen zu hören: Bad Ida & Meena Cryle. Das war ein weiteres schönes Erlebnis mit „Afrika".
Ich habe versucht, die musikalischen Eindrücke von damals mit in den Text und die Komposition zu nehmen, das war mir sehr wichtig, auch wenn kulturelle Aneignung vielleicht nicht mehr zeitgemäß ist. Die Textzeilen am Ende sind in Wolof und bedeuten „Das ist meine Welt, das ist deine Welt“. Ich wollte damit die so unterschiedlichen Kontinente Europa & Afrika ansprechen, aber auch uns als gegensätzliches Liebespaar. Beide Welten haben ihre Schönheiten und Besonderheiten, beide Welten lassen sich vereinen und doch wieder nicht, beide Welten liebe ich, die eine Welt wird von der anderen bewusst abgegrenzt, ich lebe auf der privilegierten Seite und kann mir aussuchen, auf welcher Seite ich leben möchte. All das kann man aus „Afrika“ heraushören, wenn man offene Ohren und ein offenes Herz hat.