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Nina Proll

NINA PROLL - "12 Songs, nicht die schlechtesten"

Nebenan, in der öffentlich-rechtlichen Karaoke-Bar, wird gerade vorgeführt, wie sich Erfolg konstruieren lässt. Sagen wir so: relativer Erfolg. Mit begrenzter Halbwertszeit. Das kurzfristige, euphorische Taumeln der Eintagsfliegen, dem der Absturz schon innewohnt.
Denn manches lässt sich nun mal nicht am Reißbrett planen: Charisma zum Beispiel. Reife. Strahlkraft. Eigenschaften, die ewigen Talente von den Dauer- und Namhaften trennen, die Sternchen von den Stars.

Nina Proll
ist solch ein Star. Es gehört einiges dazu, derart unbekümmert - und gleichwohl überzeugend - zwischen den Genres Film, Theater, TV, Musical und Schallplatte (pardon: CD) zu changieren und dabei nicht tolldreist Ruf und Namen zu riskieren. Nina Proll gelingt, wovon andere träumen: ein Dauervisum im ewigen Traumland Pop ausgestellt zu bekommen. Und mit jedem tänzelnd-spielerischen Schritt vorwärts in eine weitere Ecke dieses weltläufigen Abenteuerspielplatzes vorzudringen. Im Gepäck nichts weiter als Charme, Mut und Konsequenz. Das ist, mit Verlaub, schon eine Menge. Mehr, als man heute gemeinhin einzufordern wagt.

Proll hat, kann, darf. Es erfordert allemal Mut, sich an gut abgehangene Songs wie "Brillantin' Brutal", "Ich weiss nicht, zu wem ich gehöre", "Halt' mich" oder "Ich lieb' Dich überhaupt nicht mehr" auch nur heranzuwagen. Falco, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg oder gar Friedrich Hollaender und Marlene Dietrich sind Namen, die lange Schatten werfen. Und, unter uns, "1000 und eine Nacht", "Monotonie" oder "Ohne Dich (schlaf' ich heut' Nacht nicht ein)" haben wir alle so oft gehört und - ob wir wollten oder nicht - intensiv verinnerlicht, dass die Gefahr, gegen die verklärte Erinnerung nie und nimmer bestehen zu können, nicht die kleinste aller Möglichkeiten ist.

Was die Sache aber nicht im Umkehrschluss zur Unmöglichkeit erklärt. Im Gegenteil. "12 Songs, nicht die schlechtesten" war und ist gleichermaßen Vorgabe wie Ziel, Ausgangs- und Endpunkt. Ein ebenso simples, ja fast banales wie vice versa gewagtes und aufreizendes Projekt: zwölf Songs, die mehr oder minder im kollektiven Gedächtnis des deutschsprachigen Universums gespeichert sind, herzunehmen. Und damit zu spielen. Ohne steifen Kragen, gut gelaunt, experimentierfreudig, ohne Rücksicht auf wen oder was immer auch. Also: spielerisch im wahrsten Sinne des Wortes.

Proll hat, kann, darf. Als Mitspieler, ja: Spielleiter hat sich die Schauspielerin den Produzenten und Ex-Falco-Gitarristen Peter Vieweger angelacht, der wiederum als Mitstreiter die Wiener Kollegen Albin Janoska, Pogo und The Heat. Eine (zunächst recht umfangreiche) Liste mit Songs wurde erstellt, die zu interpretieren einen gewissen Reiz ausüben könnte. Schon in der Auswahl - die dann recht zügig von der Hand ging - während des Entstehungsprozesses, mehr noch aber als finales Tondokument. Der Name ist Programm: 12 Songs, nicht die schlechtesten.

Songs zumal, die - jeder für sich - eine Geschichte haben. Und erzählen. Welche, warum, wann, in welchem Ton - das soll Nina Proll tunlichst selbst erläutern. Live, eventuell. Oder im Interview. Denn um das Medieninteresse müssen wir uns keine Sorgen machen: der Songreigen wurde eingesungen, als die Proben für "Barbarella" bereits auf Hochtouren liefen. Dass man, quasi nebenher zum 24-Stunden-Job "Musical-Hauptdarstellerin" noch Kraft und Muße für einen legeren Pop-Seitensprung hat, ist schon erstaunlich. Dass das Ergebnis vor Lebensfreude, Gefühligkeit und Sex nur so sprüht, erst recht. Barbarella würde das Ergebnis mit Garantie auf Dauerrotation im retro-futuristischen Laserplattenspieler kreisen lassen.

Proll hat, kann, darf. Und marschiert einfach drauflos. Aus "Liebe zu dritt", im Original von den famosen Stereo Total, wird bei Madame Nina ein laszives, basstrunkenes Funk-Bekenntnis. "Alphamännchen" kennen die wenigsten von Wir sind Helden (der Song ist nur auf einer EP erschienen, aber klarerweise ein Hit) - Judith Holofernes hat schon die Proll-Version angefordert. Aus "In dieser Stadt" (Original: Hildegard Knef) wurde "In diesem Kaff". "Meine Art Liebe zu zeigen" stammt ursprünglich von Daliah Lavi - man sollte aber nicht den Fehler begehen, die Vorlage mit geringschätzigem Achselzucken in die Schlager-Schublade zu stecken.

Erst recht nicht die Neu-Interpretation. Und "Lass' uns ein Wunder sein" von Ton Steine Scherben mag die Starmania-Generation nicht mehr kennen. Aber durch Nina Proll wieder kennen- und schätzenlernen.

"12 Songs, nicht die schlechtesten" Vol. 2 könnte dann Dave Stewart an Bord holen. "Sweet Dreams" von und mit Nina Proll - why not? Oder "Thorn In My Side". Oder abermals Falco. Oder doch lieber Brecht/Weill? Lennon/McCartney? Oder gar eigene Texte und Kompositionen?...

Nina hat, kann, darf. Das ist nicht das Ende einer Gelegenheits-Popkarriere. Das ist erst der Anfang. Die Prognose ist alles andere als gewagt.

Die CD ist ab 01. März im Handel erhältlich.


Nina Proll
aktuelles Album:
"12 Songs, nicht die schlechtesten"
Reverso / BMG
VÖ: 01.03.2004

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"Lass uns ein Wunder sein"
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Audio Sample "Liebe zu dritt"
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Audio Sample "Alphamännchen"
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Georg Rosa